Haarsprechstunde

Ich bin zurück.
Heute war mein Termin in der Hautklinik der Uniklinik Münster, speziell in der Haarsprechstunde. Wie es dazu kam, könnt ihr hier nachlesen.
Für das reine Gespräch werde ich etwa 50€ zahlen müssen (Rechnung kommt noch). Untersuchungen wurden und werden keine mehr gemacht.
Ich gelte nun offiziell als austherapiert. Und als gesund. Es ist schlicht Veranlagung.

Fakten, ohne zu sehr ins Detail zu gehen:
* Blutwerte, die bisher bestimmt wurden sind alle gut. Weitere Werte zu bestimmen macht keinen Sinn, da ich keinerlei Mangelsymptome habe und eben die anderen Werte auch gut waren, was darauf schließen lässt, dass meine Ernährung so gesehen gut funktioniert. Konkret geht es um Zink und Biotin, die ich für das gute Gefühl noch mit Drogerie NEMS auffüttern kann, aber an sich spricht der Zustand meiner Haut und auch der Haare an sich ebenso wie meine sehr gute Wundheilung dafür, dass alles in Ordnung ist.
* Hormonstatus ist sowieso in Arbeit.
* Kopfhaut ist gesund.
* Das Haar wächst voll und schnell nach.
* Auch heute wurde mir meine eigene Beobachtung bestätigt: die Schläfen sind schon wieder dicht.
* Das Trichogramm spricht dafür, dass ich mich dem Ende des Sheddings nähere.
* Ich solle nicht zu sehr auf Wochenangabe schauen, was die Sheddingphase angeht. 3 Monate, besser 4 solle ich dem Haarwasser schon geben (wäh, noch mal fast 6 Wochen!).
* Ich hatte meine Bürste dabei, voll, und man sagte mir, dass das alles noch im Rahmen sei, ich müsse keinerlei Sorge haben Kopfhautblitzer zu bekommen. Mein Haarstatus hätte noch viel Puffer, wenn man bedenke, dass ich androgenetische Alopzie habe.
* Man empfahl mir zusätzlich zum Minoxidil-Haarwasser (klassischerweise Regaine, ich habe ja ein Generikum) Ell Cranell alpha zu verwenden. Das könne vielleicht noch was bringen, wäre zumindest einen Versuch wert.
Bevor ich das Rezept eingelöst habe (kostet ja auch wieder) habe ich gegooglet, wie ihr seht. Ich kaufe es nicht. Der Wirkstoff Alfatradiol ist bereits in meinem Generikum enthalten, somit verwende ich es quasi ja schon.

Insgesamt war ich zunächst etwas unzufrieden. Ich hatte mir mehr erhofft. Aber: die beiden Ärzte (Assistenz und Prof.) waren sehr freundlich, verständnisvoll, haben gut gefragt und gut erklärt und haben sich Zeit genommen. Meine Unzufriedenheit kam daher, dass ich natürlich was anderes hören wollte als: Das ist jetzt so.  Mein Vater war mit Mitte zwanzig praktisch kahl, meine Mutter hat auch sehr feines, eher dünnes Haar. Manche werden mit Mitte zwanzig schon langsam grau, bei mir lichtet sich eben langsam das Fell. Ich bin eben kein Teenager mehr.
Dann haben sie gesagt - auch sehr vorsichtig und rücksichtsvoll formuliert, das muss ich dazu sagen, ist es doch das, was kein Langhaar hören will - dass es sinnvoll wäre etwas von der Länge abzuschneiden. Das ändert natürlich nichts am Shedding, aber es fällt nicht mehr so schlimm auf, weil die rumliegenden Haare nicht so ewig lang sind und weil ich im oberen Bereich noch genug Volumen habe, das völlig normal aussieht. Ich würde also auch optisch nicht ständig so sehr daran erinnert. Solche "Überlängen" wie jetzt sind vermutlich nun einfach vorbei (für Normalos habe ich ja schon sehr, sehr langes Haar).
Ich würde das schon richtig machen: auf mich achten, mich gut ernähren (und solche Low-Carb-Phasen, wie ich sie im Winter unabsichtlich hatte bitte in Zukunft vermeiden), mich nicht stressen (haha, ich tue mein Bestes). Es ist nun alles abgeklopft. Vielleicht kommt beim Hormonstatus noch was raus, vermutlich eine Irritation der Schilddrüse, wegen der Low-Carb-Phase, aber nichts gegen das man systemisch arbeiten sollte.
An sich habe ich Glück. So gesehen.

Kleines Rechenspielchen.
Normalerweise verliere ich etwa 50 Haare.
Ich habe das Haarwasser abgesetzt, dann das doppelte abzuwerfen ist nicht ungewöhnlich. Also 100 Haare.
Jetzt bin ich wieder in der Sheddingphase, da kann das dann locker noch mal um das Doppelte ansteigen. 200 Haare.
Da war die Zahn-OP. Okay, das ist durch, aber die hat mit der Narkose gut möglich noch mit getriggert. Sagen wir mal ganz nett: vielleicht 10 Haare mehr als sonst. Narkosenshedding kann sich auch ein paar Monate ziehen. 210 Haare.
Ich habe meine Ernährung umgestellt und war phasenweisedeutlich Low-Carb unterwegs. Dazu demnächst mehr. Auf jeden Fall finden das weder die Haare lustig (freundlich gerechnet noch mal plus 20 Haare = 230), noch die Schilddrüse - was wiederum noch mal an die Haare geht. Geben wir noch mal 30 Haare extra oben drauf = 260.
Mein Stress, den ich mir natürlich gemacht habe, weil michd as Thema ja nicht kalt lässt, der hat bestimmt auch noch mal ein paar Zehner gekostet. Sagen wir mal so 20. Macht 280.
Kommt fast hin.

Und ich wundere mich noch?
Den Großteil wird der androgenetische HA ausmachen, gegen den ich nicht viel ausrichten kann, aber es spielen immer noch so viele Extrafaktoren rein. Und ich habe ja schon sehr optimistisch geschätzt.


Das ist zum einen natürlich sehr bitter.
Sehr langes Haar ist wohl also für mich raus, zumindest mittelfristig. Wenn ich es schaffe die Schübe abzuflachen, kann ich vielleicht immer mal wieder 5-10cm mehr Länge gewinnen, aber der nächste Schub wird das wieder auffressen. Vermutlich.
Zum anderen ist mein Verlauf sehr mild. Und ich bin wie gesagt gesund. Was sollte es denn besseres zu hören geben?
Und ganz ehrlich bin ich nun auch einfach erleichtert, dass ich am Ende der Suche angekommen bin. Es ist nun einfach so. Es gibt keinen Feind. Nur eine neue Situation, an die ich mich anpassen werde.

Und jetzt? Ende Langhaar-Heike?
Keine Kurzschlusshandlungen, da wird jetzt zumindest noch eine Nacht drüber geschlafen und ich werde auch nicht kurzhaarig werden. Aber ich werde etwas ändern. Und dafür gibt es zwei bzw. drei Optionen: ein größerer Haarschnitt und/oder Extensions.
Für letzteres muss der Shed zurück gehen. Aber ich habe ja noch meine Clip-ins, erst mal.

Wie auch immer ich mich entscheide: in den nächsten Tagen, werde ich etwas schneiden. Wie viel, darüber muss ich mir noch klar werden.
Trimms, um langsam nachdicken zu lassen, wenn der Shed durch ist, sind keine Option. Dafür ist die Unzufriedenheit zu groß. Das funktionierte letztes Mal, weil ich eine andere Grundzufriedenheit hatte und es für mich okay war, die meiste Zeit wegzuflechten. Ich ging von einem Intervall von vielleicht einem Jahr aus, in dem ich hochstecken musste. Jetzt ist klar, dass ich nicht sicher sein kann, dass mir ein neuer Shed bzw. kontinuierliches Ausdünnen nicht vielleicht so einen Plan kaputt macht und ich auf etwas warte, was nie eintreten wird.
Ich bin es nun nach über 2 Jahren warten auf Besserung und nachdem ich quasi so kurz vorm Ziel war meine Haare wieder wirklich zu mögen, da bin ich das nun einfach Leid. Das Warten. Die Salamitaktik.
Ich will nicht mehr warten.
Ich will schönes, immer gut liegendes Haar, nicht nur auf schwarz und gut drapiert. Wenn das bedeutet, das ich dafür Länge lassen muss, dann ist das jetzt so. das das überhaupt möglich ist, trotz AGA sollte mich optimistisch stimmen.
Gern schaue ich dann späterweiter, ob ich dann wieder länger züchte, wenn ich eine längere Phase ohne HA bleibe und sich das Volumen sichtbar erholen sollte. Vielleicht.
Nach wie vor liebe ich langes Haar, sehr langes Haar.
Aber eben nicht um jeden Preis.
Wenn alles gut läuft, wird es ein "Zwei-Schritte-vor-einer-Zurück-Spiel", auch wenn ich dann mal gleich mit zehn Schritten zurück anfange.

Wenn ich Taillenlänge plus minus langfristig halten kann, bin ich zufrieden. Wenn ich mehr rauskitzeln kann, wäre ich glücklich.

Nun  denn.
Als Ausgleich für diese Textwüste schiebe ich euch gleich mal einen Post mit schönen Fotos praktisch ohne Text hinterher. Denn eins möchte ich nach wie vor: zeigen, das man auch mit mal echt unkooperativen Haaren gut aussehen kann. Und das kriege ich hin, da bin ich mehr als nur zuversichtlich. :)

Today I saw the doctor at Uniklinik Münster.
In brief: I am all healthy, it is mainly the androgenetic hairloss combined with an unvoluntaryly low-carb-diet this winter and spring. Maybe my thyroid got effected and made the hairloss worse, but the problem should be fixed now (we will know this dlearly by  the end of the month, as I get my hormones checked now). 
I "simply" have to wait.
And I have to accept - the hardest part - that my hair is not made for superlengths. Some people go gray in their early twenties, in my case my hair starts thinning. That is a fact I have to live with and I have to draw the consequences. 
Not today, but soon I will cut. And probably I will also help a bit with extensions. I already have my clip-ins as you know and they do a good job for me.
As I am a longhair at heart (hello Emi... :) ) I will do my best to maintain a long length. But this will probably mean, that we talk about something around waistlength. And maybe, if everything turns out best, maybe I can regrow from there.
We will see.
I am happy to be at the end of my hairloss quest, knowing that there is nothing to worry about. As I guy I would go bald. That's life. Frustrating, of course, but hey: sun is shining, I am a happy girl with the best boyfriend ever, real friend, a good job... I don't ant to depressed any longer. Hair is not my life. Just a hobby. Okay, a passion. Nevertheless it should not be something which makes me so sad, as it did the last weeks.
But I promise I will show you, that shedding hairs does not mean, that you have to look like a mess on your head. Over the years I became pretty good in making the best of my hair and of some little helpers I bought to make it look nicer.

After that much text I will give a post only with pictures to you. With my clip-ins. To shwo, what I can still make of my hair.

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