"Du bist Veganer, oder?"



Neulich wieder:
"Du bist vegan, oder?"
"Nein."
"Aber dann doch Vegetarier?"
"Nein..."
Erstaunen im Gesicht des Gegenübers.

Vielleicht hat die Situation auch etwas mit der Folgenden zu tun:
Vor ein paar Tagen erst erzählte ich meinen Kolleginnen etwas von solitär lebenden Bienen, was ich von einer meiner "Weltverbesserer-Freundinnen" hatte. Es wurde gelacht. Ich wäre doch selber so eine!
Ich hab das mal als Kompliment genommen. :) 

Aber dennoch antworte ich auf die Frage nach Veganismus und Vegetarismus mit einem Nein. Warum? Zumeist folgt dann diese Ausführung meinerseits:
Ich vertrage weder Milch, noch Weizen, noch chemische Zusatzstoffe, noch Soja. Andere glutenhaltige Getreide meide ich, weil es mir ohne ebenfalls besser geht. Ich esse keinen Industriezucker und bei Getreiden und Hülsenfrüchten vertrage ich nur geringe Mengen gut. Wovon sollte ich satt werden ohne Fleisch und Eier? Woher mein Eiweiß beziehen ohne Gluten, mit nur wenig Hülsenfrüchten? Fleichersatzprodukte vertrage ich ebensowenig wie andere Ersatzprodukte - mal davon abgesehen, dass ich sie eklig finde. Satt werden von Gemüse, Obst und Öl, aufgepeppt mit ein paar Samen und Nüssen? Das geht, bestimmt. Ich habe das auch probiert, aber so Leid es mir tut, das ist die Art von Verzicht, die mir dann zu weit geht. Und ich gehe auch davon aus, dass ich mich dann nicht mehr wirklich ausgewogen ernähren kann, außer ich führe jeden Tag penibelst Buch über mein Futter und dessen Zusammensetzung. Ich habe mich gegen diesen Weg entschieden. Auch weil mir mein Körper sehr eindeutige Signale gegeben hat, dass er mit Fleisch besser fährt. Es ging mir persönlich nie so gut wie mit Paleo - was aber nicht heißt, dass es andere Menschen gibt, die super gut mit Vegetarismus oder Veganismus leben. Oder mit Rohkost. Oder vollwert. Nicht zu vergessen die Stahlmägen, die eine solche Toleranz gegen das haben, was sie verzehren, dass sie kaum Unterschiede merken - außer geschmacklich - egal, was sie in sich reinschaufeln. Wobei ich da immer skeptisch bin, wenn das jemand von sich behauptet... Auf jeden Fall tolerieren wir alle wohl unterschiedliche Lebensmittel auf unterschiedliche Art, genauso wie wir unterschiedlich profitieren.
Ich vermute auch stark, dass sich die Liste der Dinge, die ich nicht vertrage immer weiter einkürzen wird. Denn das hat bereits begonnen. Vieles, was mir noch vor ein, zwei Jahren Probleme gemacht hat, ist ganz normal auf meinen Speiseplan zurück gekehrt. Meine Allergien verschwinden. Egal ob auf Pollen, Lebensmittel oder Hausstaub. Es ist faszinierend. Und somit schaue ich weiter zu und hoffe, dass auch die Hülsenfrüchte nach und nach zurück kehren werden, denn sie sind es zusammen mit den bereits gennanten Gruppen von Obst,. Gemüse, Öl und Samen, die ich brauche, um meinen Fleischkonsum weiter runterzuschrauben.

So Leid es mir also tat und tut, zumindest vorerst wird aus mir und dem Veganismus nichts.
Aber das heißt wie gesagt nicht, dass dieses "mir bekommt Fleisch aber einfach besser!" für mich der Freibrief dafür wäre, das Thema komplett an den Nagel zu hängen.
Es gibt keinen Ablassbrief für getötes Leben. Und jedes "Aber" ist an sich eine Farce. Moralisch argumentativ verliert mein Ansatz immer. Das einzige Argument, das wirklich auf meiner Seite steht ist: es gibt nicht nur schwarz (moralisch verwerflich) und weiß (moralisch rein). Allein dadurch, dass wir hier in dieser Gesellschaft leben, ist niemand von uns schneeweiß, das lässt unsere Gesellschaftsstruktur überhaupt nicht zu. Und somit entscheide ich mich für ein möglichst helles Grau.

Flyer meines Lieblingsmarktstandes
Ich esse keine Kuhmilchprodukte (und Ziegenmilch äußerst selten), ich beziehe meine Eier von einem Hof mit freilaufenden Hühnern und die Fleisch- und Fischwaren, die ich kaufe, sind allesamt aus dem Bioladen. Ich kaufe auf dem Wochenmarkt regionales, saisonales Biogemüse und hole meinen Honig vom örtlichen Imker, der mit seinen Bienenvölkern auch nur die Umgebung bereist. Derzeit stelle ich meine pflegende und dekorative Kosmetik um von Naturkosmetik aus der Drogerie um die Ecke (was ja auch schon weiter war, als zuvor die konventionelle Kosemtik) auf Selbstgemachtes (von mir, Bekannten oder kleinen Manufakturen) - natürlich tierversuchsfrei und vegan (außer bei Honig. das Honigthema ist aber wirklich sehr zweischneidig, von daher möchte ich das an dieser Stelle damit bewenden lassen, dass ich eben regionalen (Bio-)Honig kaufe). Haushaltschemikalien sind ein weiterer Aspekt, bei dem ich schon mal bei biologisch abbaubar angekommen bin, aber auch da gibt es noch viel zu lernen. Und wenn ich vom Essen über die Chemikalien dann zu weiteren Konsumgütern übergehe, dann sehen wir weiter. Müllvermeidung ist so wichtig. Kleidung ist ein ganz großes Thema... denn ich halte es z.B. auch nicht für die richtige Lösung statt Leder Lederimitat zu verwenden. Aus Kunststoff. Der in Jahrtausenden nicht zerfällt... mir graust es ehrlich gesagt etwas vor dem Thema. Aber "Das will ich eigentlich gar nicht wissen", das zählt für mich nicht mehr.

Ich bin lange nicht ohne Fehl. In meinem Kühlschrank sind immer noch ein paar unkorrekte Sachen zu finden - und das nicht nur, weil ich hier nicht allein wohne. Ich schaffe es bisher nicht, alles biologisch und regional zu kaufen. In letzter Konsequenz müsste ich wohl selbst anbauen. Und spätestens da hört es dann auf. Selbst wenn ich den Acker hätte, ich hätte nicht die Zeit, da ich anderweitig arbeite, um mir ein Leben zu ermöglichen, das mir diese Wahl lässt.
Aber es wird immer hellgrauer. Und das freut mich. Und hoffentlich ändert sich unsere Gesellschaft noch mehr, sodass man in immer mehr Bereichen nicht mehr vor die Wahl gestellt wird: entweder hübsch oder korrekt. So wie ich gern ein "grünes" Brautkleid gehabt hätte. Aber... die fand ich einfach alle nicht schön.
Gesellschaftsveränderung fängt aber immer bei einem selbst an. Also dann!

Um noch eine Nuance blasser zu werden, werde ich nächsten Samstag hier in Dortmund mit meinen "Weltverbesserer-Freundinnen" über den Friedensplatz (wie passend) tingeln und mir anschauen, was der

Vegan Street Day 

für Menschen wie mich zu bieten hat, die weder Weizeneiweiß vertragen noch mit Soja warm werden, noch, noch, noch... siehe oben. Es gibt immer Anregungen.
Mandelmuß und gepuffter Amaranth waren meine letzten Entdeckungen. Erfüllt alle für mich wichtigen Kriterien, ist saulecker und ist gut für mein Eiweißkonto.

Ich bin also gespannt, was es jenseits der obligatorischen Tofubratlinge noch geben wird und habe nebenbei besonderes Interesse an allem Veganen, was man nicht isst, sondern anderweitig konsumiert.

Vielleicht sehen wir uns ja?!

I have been asked so often: 
"Are you vegan?"
"No."
"But at least vegetarian?"
"No..."
But obviously I seem to be vegan. Not the worst thing, I guess. :) 
I really pay my highest respect to vegan people. But how comes I am not vegan, if I like this philosophy so much?
Well because I have some health issues and therefore difficulties with wheat (and other grains containing gluten), I don't consume milk, I am not at ease with soy. And grains and legumes are all a bit difficult for me. So what to eat without meat and eggs, you see? Vegetables, fruits, oils and seeds? Yes, but that's not the form of diet I want to life from. And I don't think that this would be healthy. That is why I am still a meat-eater. But I am reducing the portions, as my health improves (and it does!). I go into the vegan way concerning everything else than food. And I buy organic as much as I can. Animal products are all organic in my fridge. Nevertheless there is still a lot to learn and to do, to get cleaner hands.
Next saturday the Vegan Street Day will take place in Dortmund. And I am courious what there will be for a person like me: highly interested in being vegan, but still someone who can't deal with soy, wheat and meat substitutes.

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