Rezension - Karen Duve: Anständig essen

Und somit möchte ich anfangen mit dem ersten Buch, welches mich dazu gebracht hat, nicht nur nach der Gesundheit zu gucken, sondern auch nach dem moralischen Ansatz beim Thema Essen.
Während ich das las, habe ich weiterhin schon fleißig an meiner Ernährung geschraubt und ganz langsam wieder mehr Kohlenhydrate in Form von Hirse, Reis und Haferflocken mit aufgenommen, mich also langsam von Paleo verabschiedet. Langsam, weil ich nicht schon wieder eine so deutliche Haarausfallreaktion heraufbeschwören wollte, wie ich sie durch AIP hatte.


Karen Duve also. Warum sie?
Nun, manch einer mag es wissen, ich arbeite beim Harenbergverlag. Dort bearbeiten wird die SPIEGEL-Bestsellerlisten. Genau, die orangen Plakate, die in den Buchhandlungen hängen und zeigen, was in der letzten Woche besonders gut verkauft wurde. Und jede Woche gibt es Bücher, die ich so gern auch lesen würde, aber man muss ja etwas selektieren...
Duves Buch war mir 2012 schon aufgefallen und ich hatte mich an einer Leseprobe festgelesen. Die Schreibe hat genau meinen Nerv getroffen und die Thematik interessierte mich ja ohnehin. Im frühjahr diesen Jahres schaffte ihr Buch es dann von meiner Vorgemerkt-Liste in mein heimisches Regal.

Hier habe ich euch hier noch den Klappentext dazu gegeben. Denn der bringt es auf den Punkt.


Duve lebt 70km von Berlin entfernt auf einem hofähnlichem Grundstück (sie hat ein Pferd, ein Maultier, einen Maulesel, Katzen, einen Hund und Hühner) und als sie ihre Ernährungsexperimente beginnt, ist sie dort außerdem in menschlicher Gesellschaft von Kerstin, ihrer Mitbewohnerin, die sie Jimminy Grille nennt, so wie die Heuschrecke bei Pinocchio, der das Gewissen des Holzjungen sein soll. Jimminy ermahnt Duve, als diese mal wieder "Qualfleisch" kauft - eine Tiefkühlhähnchenpfanne. Und weil Duve bei all ihrer Bequemlichkeit nicht leugnen kann, dass ihre Mitbewohnerin einfach die besseren Argumente hat und sie von sich doch immer dachte ein gebildeter, cleverer Mensch zu sein, beschließt sie aus dem Unterfangen "moralisch korrekte Ernährung" ein Buchprojekt zu machen. Denn dann hängt ihr ja der Verleger im Nacken, wenn sie es nicht ordentlich macht und nicht abschließt.
Jeweils zwei Monate lang erprobt und erlebt sie verschiedene moralische Ernährungsansätze, recherchiert sie nach und zieht am Ende ihr Resumee. Dabei arbeitet sie sich von gemäßigt bis hin zu vergleichsweise extrem vor: so lebt sie zwei Monate lang nur von Lebensmitteln mit Bio-Siegel, zwei Monate danach vegetarisch, also ohne Fisch oder Fleisch, zwei Monate folgen dann vegan ohne sämtliche Tierprodukte - okay und dann noch mal zwei Monate vegan, weil vegan eine sehr weitreichende Umstellung ist, die sich schwerlich mit dem Tellerrand begrenzen ließe. Abschließend wagt sie sich auf das Territorium der Frutarier, die nur das essen, was die Pflanzen freiwillig hergeben, was man also nehmen kann, ohne dass die Pflanze selbst dabei stirbt.

Ich liebe das Buch. Duve ist enorm pragmatisch. Nichts nervt mehr persönlich bei dem Thema ja mehr als lebensfremdes Gesäusel über Friede, Freude, Eiersatzkuchen. Das Leben ist kein Ponyhof. Das es auch kein Schlachthof sein sollte, ist das andere...
Duve beleuchtet die Themen von so vielen Seiten, dass es so zu eben viel mehr wird, als nur ihrem persönlichen, eigenbrödlerischen Experiment: So hat sie zum einen Jimminy, die sie moralisch unterstützt, zum anderen ihre Familie und Freunde, die oft mit Unverständnis reagieren. Sie stellt fest, dass sie als Haustierbesitzer mit zweierlei Maß misst, wenn es um den Wert tierischen Lebens geht. Sie liest die einschlägige Literatur, trifft Befürworter und Gegner, führt Interviews mit Ministern oder auch ganz bodenständig einfach mal im Supermarkt. Sie liefert die Zahlen, die man einfach mal gelesen oder gehört haben sollte, um wirklich zu begreifen, welche Schrecknisse in der Lebensmittelindustrie tagtäglich mit einer Selbstverständlichkeit geschehen, dass es einem schlecht werden sollte. Ihre Logik ist unbestreitbar und dennoch fühlt man sich nie vorgeführt. Und wie der Klappentext schon sagt: auch sie mag Fleisch eigentlich echt gern.
Ihr persönliches Resumee möchte ich euch nicht vorweg nehmen. Ich selbst hatte mit etwas anderem gerechnet, aber Duve hat das getan, was sie das ganze Buchg über durchgezogen hat: sie war ehrlich und schonungslos. So auch dann am Ende zu sich.

Mein persönliches Fazit:
"Will ich nicht wissen" gilt nicht mehr. Und: Ich möchte sogar noch mehr wissen. Und ändern. Es war an der Zeit meine Ernährung auf ein neues Level zu heben. Wie ihr wisst, habe ich nicht sofort voller Ekel alle Eier aus dem Fenster geworfen. Aber ich konsumiere seit der Lektüre doch schon deutlich anders. Auch wenn ich bei meiner ja sehr langsamen und unvollständigen Umstellung weiter weg von Tierprodukten (noch?) keine großen körperlichen Auswirkungen spüre, bzw. nur diffuse, die aber auch auf andere Faktoren zurück zu führen sein können (ich spreche von Verbesserungen!), fühle ich mich doch mit weniger Tier im Kühlschrank deutlich besser. Und allein dafür war es das schon wert.
Ich empfehle das Buch uneingeschränkt jedem. Vollkommen egal ob Omnivor, Vegetarier, Veganer, Rohköstler, Paleo, Vollwertanhänger oder oder oder. Es ist keineswegs zwingend nach der Lektüre nur noch gramgebeugt über dem Mittagsschnitzel zu meditieren.
Allerdings wird man sich wohl schon die ein oder andere Frage ein bisschen öfter stellen, wenn man im Supermarkt den Wagen befüllt. Ein bisschen so, als hätte man seine eigene Jimminy Grille.


Today I wrote for you a summary of  Karen Duve's book "Anständig essen" ("Eat decently" might be a translation). She made an experiment testing the most common morally inspired diets to see how it feels to walk in the shoes of someone who only buys organic food, than of a vegetrian, than of a vegan person and at last she even tries the habbits of frutarian people. Normally she really likes meat and she counts herself to the lazier guys who feel comfortable with instant dinner from the fridge. But alo she thought of herself of a smart and concious person so at a certain point there wer no arguments left not to try.  To motivate herself and as a writer, she made a bookproject out of it. Her publisher would be angry if she did not perform properly.
It was really fun reading and full of important and interesting information.
As this book is only available in German I recommand another book, if you speak english: Jonathan Safran Foer: "Eating Animals". This should be available in even more languages.
I haven't read this book yet, but friends of me told me, that it is quite similar to Duve's - but less funny and more cruel.
My personal summary: "I don't want to know that!" is no longer an argument. But: "I want to know more!" For me it was time to put my diet on the next level after I had finished the book. As you see I did not throw all eggs out of the window, but I consume really different now. Evene though it made no big change for my body (yet?) I feel better now.

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